Mehr als 13 Millionen erkrankter Zähne werden jedes Jahr in Deutschlands Zahnarztpraxen gezogen. Ein großer Teil dieser vermeintlich nicht erhaltungswürdigen Zähne ließe sich durch eine moderne Wurzelkanalbehandlung erhalten. Endodontische (=Wurzelkanal-) Behandlungen weisen bei richtiger Diagnose und Therapie eine hohe Erfolgsrate auf. Lediglich Implantate sind heute mit ähnlicher Erfolgswahrscheinlichkeit anzusehen, allerdings bei einem vielfach höheren Preis und individuell größeren Langzeitrisiken.
Ziel der Wurzelkanalbehandlung
Ziel der Wurzelkanalbehandlung ist die langfristige Erhaltung des erkrankten Zahns. Dies kann erreicht werden durch:
Eliminierung der Mikroorganismen und bakteriellen Toxine aus dem verzweigten Wurzelkanalsystem
erweitern des Wurzelkanallumens zum möglichst vollständigen Entfernen bakteriell befallenen Gewebes
dauerhafter, flüssigkeits- und bakteriendichter Verschluss des gesamten Wurzelkanalsystems
Komplikationen im Zusammenhang mit einer Wurzelbehandlung
resistente Mikroorganismen
anatomisch ungünstige oder verzweigte Wurzelkanäle
abgebrochene Wurzelkanalinstrumente
Moderne Wurzelkanalbehandlung
Die moderne Wurzelkanalbehandlung kann es mit hoher Wahrscheinlichkeit ermöglichen, den erkrankten Zahn zu erhalten und alle mit einer Zahnentfernung verbundenen Nachteile (Schmerzen, hohe Kosten für den Ersatz des Zahnes durch Brücke oder Implantat usw.) zu vermeiden. Im folgenden sind die modernen Behandlungsmethoden und Hilfsmittel dargestellt.
1) Endometrie
Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Wurzelkanalbehandlung besteht in der exakten Vermessung der Wurzelkanallänge vor der eigentlichen Aufbereitung bzw. Füllung der Wurzelkanäle. Die moderne, fortschrittliche Messtechnik ist die Endometrie = elektrische Wurzelkanallängenbestimmung: Messung des elektrischen Widerstands im aufbereiteten Wurzelkanal. Mit der Einführung der Endometrietechnik steht eine sichere Messmethode zur Verfügung, die eine exakte Bestimmung der Kanallänge ermöglicht.
2) Wurzelkanal-Aufbereitung mit speziellen NiTi- (Nickel-Titan-) Instrumenten
Wurzelkanalaufbereitungsinstrumente aus NiTi-Legierung besitzen gegenüber den traditionellen Stahlfeilen eine überlegene Stabilität und Flexibilität. Auch anatomisch ungünstige, stark gekrümmte Wurzelkanäle können bearbeitet werden.
3) Spülung und Desinfektion des Wurzelkanals
Elektrophysikalisch-chemische Spülung und wirksame Desinfektion des Wurzelkanalsystems mittels Ultraschall und hochwirksamer Desinfektionsmittel.
4) Kofferdamisolierung
Zur Isolierung des zu behandelnden Zahns von der Mundhöhle wird ein Spanngummi angelegt. Die Vorteile bestehen in:
Verhinderung von Speichel- und Bakterienzutritt um eine zusätzliche Infektion des Wurzelkanalsystems zu vermeiden
Schutz des Patienten vor Einatmung und/oder Verschlucken von Spülflüssigkeiten und Wurzelkanalinstrumenten
5) Optische Vergrößerungshilfen
Zur effizienten Bearbeitung der Wurzelkanäle kommen folgende Hilfsmittel zur Anwendung. 1) intraorale Kameras Kamerabild eines oberen Backenzahns mit 4 Wurzelkanälen 2) Lupenbrillen mit 2 bis 3,5-facher Vergrößerung</p>
Die Vorteile
dieser modernen Behandlungsmethoden sind offensichtlich:
die Behandlung ist gegenüber herkömmlichen Verfahren sehr viel gründlicher, die Wurzelkanäle werden optimal gereinigt, bestmöglich desinfiziert und dicht verschlossen, wodurch einer erneuten/späteren Infektion vorgebeugt werden kann
die Strahlenbelastung durch Röntgenaufnahmen wird deutlich reduziert
der natürliche Zahn kann - bei entsprechender Versorgung und sorgfältiger Pflege - über viele Jahre erhalten werden